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Käsestücke im Marmorboden

21. August 2007

Bauarbeiten in den Römischen Bädern

Die Felseninsel "Stein" im Wörlitzer Park; steht wieder auf festen Füßen. Jahre dauerte die Sanierung dieses einmaligen Ensembles im Gartenreich. Doch auch heute, wo sie äußerlich vollendet scheint, gibt es noch Spuren, die vom schlechten baulichen Zustand der Vesuv-Nachbildung, die Fürst Franz in Auftrag gab, künden. Man muss danach suchen und kommt Räume, die bislang der Öffentlichkeit verborgen blieben.

Römische Bäder

Annette Scholtka kennt den Weg durch die Gänge und Grotten genau. Mehrmals im Monat geht sie ihn, vorbei an den neu gepflanzten Feigenbäumen, deren Früchte in diesen Tagen reifen, tief hinein in den künstlichen Vulkan. Hier liegen die Römischen Bäder. Drei Räume, an denen die Jahrhunderte ganz besonders deutlich ihre Spuren hinterlassen haben. Nichts erinnert mehr an die aufwendige Gestaltung aus der Zeit des Fürsten Franz. Sand liegt dort, wo mehrfarbiger Stuckmarmorfußboden mit weißen Marmoreinlagen sein sollte, die Wände, einst verziert mit Pilastern aus weißem und braunem Marmor und korinthischen Kapitellen, sind kahl. "Hier werden die Folgen der schlechten Gründung des Steins am deutlichsten sichtbar", erklärt die Sachgebietsleiterin Baudenkmalpflege bei der Kulturstiftung Dessau-Wörlitz.

Scholtka zeigt auf einen Fensterbogen, in dem ein tiefer Riss klaffen würde, wenn nicht frische Sanierungsspuren ein Zeichen dafür wären, dass dieser Schaden behoben wurde. "Das Bauwerk hat sich an dieser Gebäudeecke stark bewegt", weiß Scholtka. Am meisten litt darunter der Stuckmarmorfußboden. Ihn zu retten sind seit einigen Wochen zwei Meister ihres Faches angetreten, die die Römischen Bäder in eine Baustelle verwandelt haben. Marko Hersel und Robert Schubert sind Stuckateure aus dem Thüringischen. Beide, wenngleich jeder seine eigene Firma hat, sind ein eingespieltes Team, kennen sich von anderen Restaurierungsaufträgen, auch in den Wörlitzer Anlagen. In den Römischen Bädern erwartet die beiden Handwerker eine harte Nuss, ein ordentliches Stück Arbeit, an dem schon ganz andere Meister ihres Fachs scheiterten.

"Hier hat man alles falsch gemacht, was man mit Gips falsch machen kann", stellt Marko Hersel fest. Solche Kritik ist erlaubt, denn jene, an die sie gerichtet ist, sind längst tot. In den 1920er Jahren, so schätzt man, wurde in den Bädern der Stuckmarmorfußboden schon einmal großflächig ausgetauscht. Äußerst dilettantisch. "Das sieht aus wie kleine Käsestücke, die man in den Boden eingelassen hat", findet auch Annette Scholtka. Wie anders, wie fein gezeichnet ist hingegen ein kleines Fußbodenareal im Hinteren der drei Räume. ,Zwei völlig verschiedene Handschriften sind das", sagt Scholtka. Sie und die Restauratoren sind sich deshalb auch sicher, noch Originalfußboden gefunden zu haben. Der ist inzwischen längst geborgen, wie auch die Pilaster und Kapitelle, die die Stein-Bewegungen überstanden haben. "Nach der Rekonstruktion werden sie wieder in die Wandfassung eingebaut", verspricht die Baudenkmalpflegerin.

Vorher aber walten Marko Hersel und Robert Schubert ihres Amtes und lassen ein ganz altes Handwerk wieder aufleben, das fast dem Vergessen anheim gefallen ist. Der Pfusch vor gut 100 Jahren ist dafür bestes Beispiel. Damals wusste man einfach nicht mehr, wie die Technik funktioniert", erklärt Hersel. Er und seine Kollegen h aus den Fehlern der Vorgänger gelernt. Und die Männer machen es genau so, wie es wohl schon die Handwerker zu des Fürsten Zeiten taten. "Ich habe ein Büchlein, da stehen alle Rezepte drin. Wenn mein Sohn mal so weit ist, dann bekommt er es", sagt- der Stuckateur, der einst selbst einem alten Restaurator lauschte und sich dessen Ratschläge notierte. Und natürlich sei jeder der Meinung, dass sein Rezept das Beste sei.

Wie nun der neue Stuckmarmorfußboden für die Römischen Bäder im alten Stil entsteht, kann Hersel zumindest in groben Zügen verraten. Gips, Knochenleim und Farbpigmente seien die Hauptzutaten. Aus den verschieden farbigen Massen forme er eine längliche Wurst, in Scheiben geschnitten und aneinander gelegt, entsteht so der Boden. Bei der jetzigen Sanierung werde man den Unterboden auf einer Betonplatte aufbauen. Nur das könne sicherstellen, dass sich bei erneuten Bewegungen des Gebäudes nicht wieder Risse im Stuckmarmor zeigen.

Sind die einzelnen Scheiben verlegt, folgen noch etliche Arbeitsschritte. Am Anfang sieht alles extrem wild aus sagt Marko Hersel. Erst nach unzähligen Schleifgängen würde man das Endprodukt erkennen, das derart poliert wird, dass der Gips einen Eigenglanz bekommt und im Fall der beiden Stuckateure nicht mehr wie Käsestücke im Boden aussieht.

"Wir werden wohl im nächsten Frühjahr mit den Arbeiten fertig sein schätzt Annette Schöltka. Verbaut wurden dann 150 000 Euro, die Bund, Land, die StiftungDenkmalschutz, das Getty Grant Programm, Lotto Toto und private Sponsoren für das Vorhaben zur Verfügung stellten. Besucher dürfen künftig nicht auf den Boden treten, sondern das Gipswunder nur bestaunen. Und das, obwohl Stuckmarmor einst die Marmorversion für die Ärmeren war. Heute ist das anders. "Es gibt einfach nicht mehr viele, die sich an Stuckmarmor heran trauen", so Scholtka. Marko Hersel und Robert Schubert gehören auf jeden Fall nicht zu den Zögerlichen.

 
   
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